Bewerbungstipps

 

Wie bewerbe ich mich heute?

Der erste Schritt zu einem Praktikum oder einem Beruf ist in jedem Fall die Suche nach einer passenden Stelle. Danach folgt die Bewerbung und wenn alles nach Plan läuft folgt ein persönliches Bewerbungsgespräch.

Bei der schriftlichen Bewerbung kann man heutzutage nicht mehr allzu viel falsch machen. Vor allem durch das Internet gibt es Unmengen an zur Verfügung stehen Formatvorlagen und Textbausteinen. Für den fehlerfreien eigenen Text sorgt dann noch die Rechtschreibkorrektur. Folglich muss man sich mit seiner Bewerbung von der Masse abheben und den guten Eindruck bei einem Bewerbungsgespräch festigen.

Dieser Leitfaden in mehreren Teilen soll ein paar Tipps geben, worauf es heutzutage ankommt und wie man mit ein paar kleinen Tricks einen nachhaltig guten Eindruck hinterlässt. Die einzelnen Themengebieten sind bei weitem nicht vollständig und sollen einen ersten Einblick schaffen. Also viel Spass beim Lesen!


Teil 1: Warum sollte man ein Praktikum machen?

Das Studium ist oft sehr theoretisch und sobald man fertig ist, das Diplom in der Tasche hat, kommt der Praxisschock. Lockere Atmosphäre und freie Zeiteinteilung weichen starren Strukturen und genauen Zeitplänen – oder genau das Gegenteil, ein durchgeplantes Studium führt zu einer Arbeit, die von Gleitzeit oder scheinbarer Unproduktivität geprägt ist. Um schon früh einen Einblick in die das Arbeitsleben zu bekommen empfiehlt sich für fast ausnahmslos jeden Studiengang ein Praktikum.

Bei vielen Studiengängen sind Praktika schon heute Pflichtveranstaltungen und werde in Zukunft mit Sicherheit weiter an Bedeutung gewinnen. In den Personalabteilungen macht sich schon Verwunderung breit, wie viel Studenten heutzutage bereits gemacht haben. Während vor kurzem ein annähernd 30jähriger lediglich ein Studium vorweisen konnte, sind viele Studierende schon bei Mitte 20 mit einer Unmenge an Praktikaerfahrung ausgestattet. Der Großteil der Studierenden jobbt nebenbei, wo der typische Kellnerjob auf dem Rückzug ist und die Stelle in der kleinen Beratungsfirma oder der Designagentur zu einer deutlichen Qualifizierung “nebenbei” beiträgt.

Wann sollte ich ein Praktikum machen?

Zu Beginn des Studiums helfen Praktika sich zu orientieren. Man kann in einen Bereich reinschnuppern und sich zum Beispiel ein Fachgebiet näher anschauen, was man auch bei der Wahl berücksichtigen sollten.

Zum Ende des Studiums hilft das Praktikum eher einen konkreten Job zu finden, den man machen möchte. Es stellt sich also nicht unbedingt die Wahl Controlling oder Produktion, sondern eher technische Entwicklung oder kaufmännischer Leitung. Außerdem hat man bei einem Praktikum oft schon einen Fuß in der Tür für einen anschließende Diplomarbeit oder den direkten Einstieg.

Was für Praktika kann man machen?

Kurzpraktika, die drei Wochen dauern, bringen heutzutage nicht mehr allzu viel. Wenn man zum Beispiel einen Einblick in die Pressearbeit einer Zeitung haben möchte, wo sich die Arbeiten über einen längeren Zeitraum wiederholen, reicht so eine kurze Zeit aus. Möchte man jedoch in einem Unternehmen arbeiten, so muss es schon etwas länger sein.

Heutzutage sind dreimonatige Praktika die Regel. Im ersten Monat wird man eingearbeitet und hat effektiv etwa zweieinhalb Monate, die man produktiv arbeitet. Man kann so ein Praktikum auch in den Semesterferien machen und vielleicht die ersten Wochen eines Semesters verpassen, aber hat so zumindest keine Studienzeit geopfert. Die Opfer, wenn man es so nennen will, muss man bei einem Praxissemester bringen, wo das Praktikum fünf bis sechs Monate dauert. Bleibt man während dieser Zeit eingeschrieben kann man eventuell auch noch an der ein oder anderen Klausur teilnehmen, ansonsten kann man sich auch beurlauben lassen und spart sich den Semesterbeitrag.

Soll ich lieber in ein großes Unternehmen oder ein kleines gehen?

Ob man ein großes oder kleines Unternehmen bevorzugt kommt natürlich darauf an, ob man es entsprechenden Unternehmen in der Wunschbranche gibt. Hat man wirklich die Auswahl, so muss man sich überlegen, wo der eigene Weg hinführen soll. Aufgrund der konjunkturellen Instabilitäten haben viele große Unternehmen einen Einstellungstop und stellen höchstens Experten ein, die normalerweise nicht direkt von der Uni kommen, sondern einige Jahre Berufserfahrung haben. Ein Praktikum ist folglich oft die einzige Möglichkeit einen Einblick in solch ein Unternehmen zu bekommen und zu merken, ob so ein Unternehmen etwas für einen ist.

Wie sieht es mit dem Geld aus?

Praktikumsstellen werden nicht immer bezahlt. Wenn man eine Entlohnung bekommt, dann variiert es stark, aber es gibt durchaus Stellen, die mit bis zu 1200 Euro vergütet werden. Dass man mit einem Praktikum reich wird, sollte man aber nicht denken.

Einkommen, dass mit einem freiwilligen (!) Praktikum erzielt wird, muss man voll auf das BAFöG anrechnen lassen – ohne Freibetrag – was immer einen Abzug zur Folge hat.

Außerdem ist die Versicherungspflicht zu beachten. Bei einem in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenem Praktikum muss man, unabhängig von Dauer, Wochenarbeitszeit und Verdienst, keine Sozialversicherung zahlen. Bei nicht vorgeschriebenen Praktika ist dies bei Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ebenso, wenn das Studium im Vordergrund steht. Eine Einschränkung gibt es jedoch in der Rentenversicherung, so dass man bei einem monatlichen Einkommen, welches 400 Euro übersteigt, doch nicht versicherungsfrei ist.


Teil 2: Wie komme ich an die Unternehmen ran?

Wenn es daran geht einen Job oder ähnliches zu suchen, setzen viele Leute Scheuklappen auf und tendieren nur in eine Richtung. Der Informatiker durchsucht Online-Börsen und der Kulturwissenschaftler nimmt die Zeitung zur Hand. Programmierer neigen dazu auch bei Unternehmen zu suchen, die für Software bekannt sind und Germanisten suchen sich z.B. Verlagshäuser raus. Diese Scheuklappen sollten so schnell wie möglich abgelegt werden. Man sollte überall suchen, wo einem Informationen geboten werden, also sowohl in Online-Stellenbörsen und Zeitungen, als auch bei Unternehmen direkt, wo es auch immer wieder Ausschreibungen gibt.

Man muss zum Job-Detektiv werden, da einige Unternehmen es sehr gut verstehen ihre Angebote zu verstecken. Absicht, um nur wirklich ambitionierte Bewerber zu bekommen oder einfach Unvermögen? Das kann nur das Unternehmen selbst beantworten, aber man sollte darauf vorbereitet sein.

Vielleicht führt auch eine Initiativbewerbung zum Ziel

Eine nicht aufgeforderte Bewerbung an ein Unternehmen wird als Initiativbewerbung bezeichnet. Möchte an sich initiativ bewerben, so hat man schon seinen ersten Job: den eines Bewerbers. Es ist wohl die komplizierteste Art sich zu bewerben und wird oft unterschätzt, da es keine Vorgaben gibt und keine Kenntnisse über bekannte Stellen. Bevor eine Stelle bei einem Unternehmen ausgeschrieben wird, werden jedoch vorher oft alle Initiativbewerbung durchgesehen, ob sich dort nicht schon der richtige Bewerber findet. Schließlich hat er mit seiner Initiative schon gezeigt, dass er oder sie besonders motiviert ist.

Eine allgemeine Bewerbung um “irgendeinen” Job bei einem Unternehmen zu bekommen findet normalerweise kein großes Interesse, es sei denn man hat herausragende Zeugnisse oder einen außergewöhnlichen Lebenslauf. Ansonsten wird sich niemand um eure Bewerbung so kümmern wie ihr selbst. An Adressen kommt ihr über Fachzeitschriften, Messekataloge (wie den der LOOK IN!) oder Tageszeitungen. Daneben solltet Ihr Informationen über das Unternehmen recherchieren. Greift nicht nur auf das Web zurück, was jeder macht. Sucht alle Quellen ab und schickt den Unternehmen eine Bewerbung, wo ihr genau wisst, welche Abteilung oder welcher Bereich interessant ist. Versetzt euch in die Rolle eines Journalisten, der viele Quellen zu Rate zieht und die Informationen prüft, ob sie nützlich sind oder unnütz.

Die Initiativbewerbung sollte direkt zum möglichen Vorgesetzte oder dem Personalchef gesendet werden. So liegt die Bewerbung bereits zur Auswahl vor, bevor andere Bewerber eine Chance auf eine Ausschreibung haben. Also ist muss man den Verantwortlichen ausfindig machen. Am Besten nimmt man vor dem Absenden direkt Kontakt mit dem Personalverantwortlichen auf. Informiert Sie sich über die Einzelheiten und Chancen einer Bewerbung. Die ist natürlich nur bei großen Unternehmen möglich. Bei einer kleinen Agentur aus dem Technologiepark werden viele Aufgaben in Personalunion übernommen, also sollte man den Personalentscheider nicht mit allgemeinen Fragen nerven sondern sich in solch einem Fall über Web, Presse und auch Lehrstühle informieren.

Wie sollte eine Initiativbewerbungs-Anschreiben aussehen?

  • Aussagekräftiger Betreff und nicht: “Bewerbung als Praktikant aufgrund des Telefonats vom …”
  • Warum schreibt man ausgerechnet dem Empfänger des Briefes oder der E-Mail?
  • Braucht das Unternehmen, was ich bieten kann (zeigt, dass man sich informiert hat)?
  • Vorteile und besondere Kenntnisse, die mich interessant machen. Zum Beispiel hat man schon an einer Projektveranstaltung, die sich mit einem ähnlichen Thema befasste teilgenommen.
  • Keine komplizierten und verschachtelten Sätze. Lieber kurz und prägnant sein.

Online-Börsen

Viele belächeln diese Art der Bewerbung, aber einige Unternehmen durchsuchen doch die bekannten Online-Börsen. Dort kann man sein Profil online stellen und sich zurücklehnen. Nun ja, zurücklehne sollte man sich nicht, aber solche Online Börsen bringen nur etwas, wenn man sich von der Masse abhebt. Ein Personalchef wird wohl nicht den 150sten BWL Studenten aus Paderborn aus einer Stellenbörse greifen, wenn er als Kernmerkmal lediglich in Regelstudienzeit ist.

Vor allem die Personalverantwortlichen der großen Unternehmen wundern sich in den letzten Jahren, dass die Bewerbungen immer dicker werden und die Leute eine Unmenge an Erfahrung, Zeugnissen und Zertifikaten mitbringen. Vor dem Online-Inserat sollte man sich also fragen, was hebt mich von den Bewerbern ab, die über und unter mir aufgelistet werden. Vielleicht sollte man vorher schon mal selber recherchieren und schauen, was die anderen so bieten. Aber eins ist wichtig: immer ehrlich bleiben!


Teil 3: Die schriftliche Bewerbung – Neueste Trends beachten

Bei der schriftlichen Bewerbung kann man nicht viel falsch machen – oder doch? Im Grunde ist das Anschreiben von der Form her kein Problem. Es gibt unzählige Vorlagen und Tipps im Internet, aber wenn alle diese Vorlagen nutzen, so hebt man sich nicht unbedingt von der Masse ab. Ein paar Dinge, worauf man achten sollte und worauf Personalchefs heutzutage Wert legen, soll dieser Teil der Serie zeigen.

Die Briefempfänger müssen nach Möglichkeit persönlich angeschrieben werden. Wie macht man das? Man ruft den Personalchef an, hat gegebenenfalls einen guten Vorwand, wie eine Frage, und kündigt die schriftliche Bewerbung ‘zu seinen Händen’ an.

Fehler, die nicht vorkommen dürfen, hören sich ganz klar an, aber werden doch immer wieder gemacht.

Das Anschreiben

Bei vielen Bewerbungen gibt es eine falsche Anrede. “Sehr geehrte Damen und Herren” ist recht unpersönlich, also findet heraus, wie die Personalchefs oder Zuständigen heißen. Sehr böse ist auch, wenn Frau Meier auf einmal zu einem Herrn Meier wird. Da fühlen sich viele auf den Schlips getreten.

Ein absolutes Ablehnungskriterium ist, wenn der Bewerber die Rechtschreibprüfung auf seinem PC nicht benutzt hat und es vor Rechtschreibfehlern wimmelt. Ebenso sollten auf keinen Fall Phrasen verwendet werden und Absätze mit Schwafeleien. So sind Füllwörter ebenso fehl am Platz wie die Vorwegnahme von Informationen, die Eurem Lebenslauf zu entnehmen sind. Bewerbungsunterlagen, denen man die Mehrfachverwendung ansieht, sind tabu. Die Unternehmen wollen Leute, die wirklich zum Unternehmen wollen und nicht einfach nur irgendwo unterkommen wollen.

Länge des Anschreibens

Eine Seite reicht in der Regel vollkommen aus. Besonders, da ein gutes Anschreiben kurz und aussagekräftig formuliert ist. Hat man wirklich so viel Relevantes zu sagen, sollte man nicht quetschen, sondern lieber eine zweite Seite dazu nehmen und auf ein angenehm lesbares Layout achten.

Teure Kartonmappen? Edelpapier?

Nein, so was muss nicht sein. Sind solche Mappen in den letzten Jahren sehr verbreitet, so ist es keineswegs erforderlich die Unterlagen in eine so teure Form zu bringen. Wichtig ist dagegen, dass die Bewerbungsmappe makellos ist: Sie muss ordentlich verarbeitet sein und darf auch nicht dreckig oder zerknittert sein.

Ein Deckblatt ist im Grunde auch optional. Nimmt man ein Deckblatt, so sollte lediglich Schrift, also Eure kompletten Kontaktdaten, oder Euer Foto zu sehen sein. Gut ist, wenn man auf dem Deckblatt vermerkt, für welche Stelle man sich bewirbt und bei welchem Unternehmen. Sowas zeigt, dass man sich Mühe gegeben und die Mappe individuell zusammengestellt hat.

75 Schriftarten auf dem PC, die müssen auch verwendet werden?

Das wäre ein absoluter Fehler. Jedoch liest man zu diesem Thema eine ganze Menge. Teilweise muss es eine bestimmte Schriftart sein, teilweise wird gängigen Schriftarten unterstellt, dass sie langweilig sind. Es gibt kein Gesetz, welche Schriftart man nehmen sollte. Wenn dem Personaler die Schriftart nicht gefällt wird er die Bewerbung sicher nicht gleich wegwerfen. Wichtig ist, dass die Schrift gut lesbar ist und weder zu groß, noch zu klein. Mit den Standardschriften Arial und Times New Roman in Größe 10-12 Punkte macht man keinen Fehler. Man sollte aber bei einer Art bleiben. Nicht zwei Schriftarten für Überschrift und Text oder Anschreiben und Lebenslauf verwenden. Auch nicht wild mit Fett und Kursiv rumexperimentieren. Schlicht bleiben und vielleicht ein paar Vorlagen durchschauen und sich für eine entscheiden, die gut ausschaut.

Handelt es sich um eine Bewerbung per E-Mail ist jedoch wichtig, dass eine Standardschrift verwendet wird. Nicht alle Mails sehen überall gleich aus. Bei Bewerbungen im Ausland muss man gegebenenfalls mit einem „Experten“ sprechen, ob der eigene Zeichensatz dort überhaupt angezeigt wird. Wer schon einmal SPAM aus Asien bekommen hat, wird sicher schon festgestellt haben, dass dort einige Zeichen nicht darstellbar sind.

Wie sortiert man den Lebenslauf?

Da gibt es auch keine allgemeine Regel. Aktuelles interessiert die Personalchefs am meisten, also empfiehlt sich die rückwärts chronologische Schreibweise. Das hat den Vorteil, dass beim ersten Durchsehen der Bewerbung die wichtigen Informationen sofort ins Auge fallen.

Das Passbild

Das Bild sollte Passbildgröße haben oder etwas größer sein. Der Fokus natürlich auf dem Gesicht. Es versteht sich von selbst, dass man kein Partybild und kein Amateurfoto nimmt. Lieber sollte ein Profi das Bild machen.

Was ist mit einer “dritten Seite”?

Mit einer so genannten dritten Seite ist eine optionale Seite gemeint, die hinter dem Lebenslauf angehängt wird. Sie enthält ein persönliches Profil, wo man über sich spricht und als Bewerber bestimmte Schwerpunkte setzt, wie, Fähigkeiten, persönliche Eigenschaften oder durchaus Argumente für eine Anstellung.

Wenn man gerne in dieser Form über sich spricht, dann kann man sich so in ein gutes Licht setzen. Ist der Text jedoch nicht glaubwürdig und enthält nur typische Phrasen und Wörter wie teamfähig und felxibel, dann könnte die dritte Seite schnell negativ ausgelegt werden.

Muss man wirklich alle alten Schulzeugnisse beilegen?

Man sollte das höchste Abschlusszeugnis der Schule beilegen. Alles andere interessiert eher weniger. Hat man verschieden Schulformen besucht kann man eventuell auch die vorherigen Abschlusszeugnisse beilegen, also z.B. Realschule und Gymnasium. Man muss auch keine Angst haben, dass die schlechten Noten von vor 10 Jahren beim Bewerbungsgespräch zur Sprache kommen. Personalchefs sind auch Menschen. Sind die Unterlagen jedoch unvollständig, so kommt dies nicht so gut an. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass jemand schlechte Noten verbergen möchte.

— cm